Rennsportsitzeinbau: Konsolen aus massivem Stahl - 05.03.09

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Der Mercedes ist ein sehr dankbares Auto. Vieles ist einfach bis ideal gelöst und nur selten bisher musste ich mich fragen, wieso ein Konstruktör einen derartigen Schwachsinn verzapfen kann. Selbst beim Einbau der Sportsitze konnte ich es nicht sagen - beinahe zu leicht!
Um Sitze in einen Wagen einbauen zu können in den sie eigentlich nicht reingehören, ist es notwendig eine Basiskonsole zu konstruieren. Diese nimmt idealerweise über die originalen Befestigungsschrauben die Sitze bzw. dessen seitliche Befestigungen auf.

Meine Schablone habe ich an hand von Messungen mit dem Zollstock/Maßband angefertigt und aus Karton ausgeschnitten. Sie passte und hat folgende Maße (Fahrer- und Beiseite sind Spiegelverkehrt):
Beispiel Beifahrerseite:

  • Schrauben oben: 427mm (linke Schraube steht 13mm weiter innen als unten)
  • Schrauben unten: 415mm
  • Schrauben unten-oben: 305mm
  • Schraube unten bis Blechkante: 280mm
  • Das ganze ist also leicht asymmetrisch, ist aber dadurch nur minimal komplizierter herzustellen. Mein Metaller hat mir einfach an dessen 80mm*5mm Standard-Flacheisen ein 40mm*15mm Stück angeschweißt und die Sache war erledigt. Insgesamt sind also vier 335mm*80mm*5mm Platten zu besorgen. An zwei von ihnen wird oben ein 40mm*15mm*5mm Stück angeschweißt um die Asymmetrie auszugleichen.

    Da ich gerne alles selbst mache muss ich ja nun auch mal bei der Arbeit zu sehen sein. Meine Arbeitsklamotten sind nicht grade ausgehfein, aber was sind schon ein paar Liter Farbe und nur wenige Kilo Metallspäne...

    Das ganze sieht dann ca. so aus. Oben in der mitte sind die beiden Plättchen für die Asymmetrie angeschweißt, die Löcher sind gebohrt und der obere Teil ist ebenfalls schon auf Sollwinkel gekantet (unter Zuhilfenahme eines feinen chirurgischen Werkzeuges: dem Bunsenbrenner und Vorschlaghammer - denn der 5mm Stahl ist nicht grade zimperlich).

    Die ersten Konsolen für die Beifahrerseite sahen dann so aus. Das ganze musste jediglich mit Laufschienen und den seitlichen Befestigungen Maßhaltig gebohrt und verschraubt werden und der erste Einbau konnte beginnen.
    Da es so bekloppt ist, sage ich es mal dazu: Die Laufschienen sind Kugelgelagert und die Verschraubung neigt dazu mit den Kugellagern zu kollidieren. Zuerst dachte ich, das wäre ne Fehlkonstruktion, bis ich später herausfand, dass sich die Lager in den Laufschienen einfach durch mehr Kraftaufwand verschieben lassen und sich so nochmal 15cm mehr Verfahrweg zeigen. Also nicht irritieren lassen, wenn alle Laufschienen unterschiedliche Laufwege aufweisen...

    Wie man sehen kann hält sich die Bauhöhe im Rahmen. Die Platte liegt quasi direkt auf dem Wagenboden auf, die Basiskonsole ist 5mm dick, die Laufschienen nochmals 25mm. Bis zum ersten Loch in der seitlichen Befestigung ist es dann nicht mehr weit, so dass man beinahe auf dem Fußboden sitzt. Der Schwerpunkt ist damit extrem tief.

    Als der erste - billige - Sitz eingebaut war und ich ihn endlich mal unter realen Bedingungen testen konnte war ich nochmals deutlich überrascht. Ich will dadrin ja keine 500km zurück legen, aber der Sitz ist wirklich vom Eindruck her perfekt als Beifahrersitz geeignet. Mein Hinterkopf hat ausreichend Auflagefläche an der Kopfstütze und massiv Platz bis zum Himmel, so dass auch Fahrten mit Helm überhaupt kein Problem darstellen.

    Wie man auf diesem Bild erkennen soll, ist die Sitzfläche beinahe so tief wie die vordere Querstrebe. Ich bin sogar am überlegen nicht vielleicht noch ein Loch nach oben zu gehen. Beim Beifahrersitz wird dies jedoch nicht möglich sein, da der Sitz oben sonst mit der B-Säule des Fahrzeugs kollidiert.

    Die Fahrerseite gestaltete sich nicht ganz so intuitiv, da ich mir gebrauchte, stark modifizierte seitliche Befestigungen gekauft hatte. Die unteren Befestigungsbereiche waren deutlich gekürzt, so dass ich deutliche Platzprobleme auf den Konsolen bekam, wie links im Bild zu sehen ist.

    Das Problem ist unter anderem die Befestigungsschraube für die eigentlichen Basiskonsolen. Da die seitlichen Befestigungen eben sehr wenig Platz boten, musste ich mit den Laufschienen sehr weit nach außen, was wiederum keinen Patz bot um die eigentlichen Befestigungsschrauben unterzubringen. Ich löste das Problem durch eine 8mm Senkopfschraube, die ich in das 5mm Blech einfasste, so dass die Laufschiene sich wieder frei bewegen konnte.

    Und hier ist er endlich drin. Nach insgesamt ca. 24h Arbeit an einem einzigen Wochenende inklusive eines ganztägigen Besuchs bei meinen Verwandten war es endlich vollbracht und ich konnte platz nehmen. Die Ohren des Sitze passen ganz knapp an der B-Säule vorbei, ohne den Sitz auf einer Seite anheben zu müssen. Dies spricht für den Sitz, da er oben schmal genug ist und so außerdem mehr Seitenhalt im Schulterbereich bietet.
    Apropros Seitenhalt: Der Sitz sitzt unglaublich gut am Körper. Ich hoffe ich nehme nie zu, denn dann wird der Sitz schnell zu klein. Wenn ich mich hinein setze fühle ich mich schnell wie in einem Panzeranzug, weil er perfekt am Köpfer sitzt, aber gleichzeitig nicht drückt oder unangenehm aufträgt.

    Die Gurte konnten wie Schroth es vorschreibt befestigt werden. Dazu werden seitlich und in der Mitte die originalen Gurthalter verwendet und als drittes die mittleren Halteschrauben für die Rücksitzgurte benutzt werden. So bekommt man für diesen Wagen von Schroth eine ABE und die Eintragung sollte keine Probleme machen. Ich muss allerdings dazu sagen, dass auf Grund der sehr hohen Sitzschale des COBRA Sitzes der Gurt nicht anders hätte sein dürfen. Die Schnallen und Polsterungen passen gerade so, dass nichts zwischen Becken und Sitzschale klemmt. Auch der Gurt zur Mitte hin ist grenzwertig kurz. Es lässt sich allerdings nicht anders lösen.